„Kein Hexenwerk, das kann jeder machen!“ – Karriere-Interview mit Baendel-Gründerin Lia Steurer

Lia Steurer aus Mainz ist 29 und macht gerade ihren Master in Publizistik und Medienwirtschaft/Medienmanagement an der Uni Mainz. Weil ihr Herz für stylische Brillenketten schlägt, hat sie sich neben dem Studium 2017 selbstständig gemacht. Mit ihrem Start-up Baendel hat sie sich einen Traum erfüllt. Wir haben uns in ihrer Küche zum Interview verabredet. Lias Fazit: Wer eine Idee hat, sollte unbedingt gründen.

Hi Lia, wie kamst du auf die Idee, Brillenketten zu verkaufen?

Ich hatte schon lange den Plan, selbstständig sein zu wollen und an einem Nachmittag habe ich an meiner Masterarbeit geschrieben, bin aber nicht so richtig weitergekommen. Ich habe die ganze Zeit überlegt, was ich in Richtung Selbstständigkeit machen könnte. Ich dachte an Schmuck, fand das aber zu beliebig – und dann ist mir ein olles Brillenband von meiner Mama in die Hände gefallen, ein paar Tage später erzählte mir eine Freundin, dass sie seit längerem ein cooles Brillenband sucht – da war die Idee geboren.

Woher wusstest du, dass deine Geschäftsidee, Brillenketten zu verkaufen, funktionieren könnte?

Ich hab die Ketten immer wieder mal an Leuten gesehen, fand die aber viel zu bunt. Und dann dachte ich – wenn ich die schlicht produziere, könnte das doch Potenzial haben. Was hatte ich denn zu verlieren? Wenn’s nicht funktioniert – so what!

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Hattest du von Anfang an eine Strategie, wie du die Ketten vermarktest oder war das learning by doing?

Meine Strategie war, das Ganze erst mal nur bei Instagram zu testen, da passten die Ketten hin und da war meine Zielgruppe. Die Models bei Instagram waren alles Freunde, die haben mich da super unterstützt. Nachdem das angelaufen ist, bin ich mit dem eigentlichen Onlineshop gestartet. Ich habe so 300 Blogger angeschrieben und einigen meine Ketten geschickt – mit der Hoffnung, dass sie Baendel verlinken. Ein paar haben das gemacht – das hab ich dann insofern gemerkt, dass da gleich ein paar Bestellungen reingekommen sind.

Wie hast du deine Zielgruppe definiert?

Ich dachte 15 bis 35, eher Studenten und Schüler, ein bisschen hipstermäßig. Als ich dann mit Baendel auf Märkten war, hab ich festgestellt, dass die Zielgruppe doch größer ist, als ich dachte, vor allem waren da viele ältere Damen, die sich dafür interessiert haben.

Auch Männer?

Mehr Frauen, aber auch Männer.

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Wie viel Startkapital hattest du zum Gründen?

Na ja, nicht viel. Ich hab meine studentischen Nebenjobs beim SWR und funk, muss aber die Wohnung bezahlen und auch was essen. Ich hab Klamotten verkauft und ein bisschen Geld geliehen, aber so viel Geld habe ich ja gar nicht gebraucht. Zum Start habe ich etwa 1.000 Euro investiert, bis der Shop lief. Im Vergleich zu anderen Gründungen, zum Beispiel einer Eisdiele, ist das ja nicht viel.

Was waren die größten Schwierigkeiten bei deiner Gründung?

Ich hatte eine Gründungsberatung bei der Industrie- und Handelskammer – die haben mich dann zum Finanzamt geschickt, ich müsse mir dort einfach nur meine Steuernummer holen. Das hatte aber dann sechs Wochen gedauert – ich hatte schon alles fertig, konnte aber deswegen noch nicht starten. Das war für mich blöd – dachte, ich bekomme die Nummer gleich. Und was halt auch oft passiert: dass ich mein Material nicht mehr geliefert bekomme, weil ein Händler ein Produkt nicht mehr hat oder einfach eine Farbe geändert hat, das passiert halt ständig.

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Die rechtlichen Hürden für einen Onlineshop sind ja ganz schön hoch – wie hast du das gestemmt?

Da habe ich sehr viel recherchiert und mit verschiedenen Leuten gesprochen, die auch einen Shop haben. Natürlich kann man eine Kanzlei beauftragen, die Seite zu checken – die hätten aber gerne 5.000 Euro dafür gehabt. Letztlich habe ich einen Onlinedienst beauftragt, die Seite regelmäßig zu updaten, das kostet mich 12 Euro im Monat. Wobei das jetzt einfacher klingt als es ist – die Arbeit habe ich natürlich trotzdem damit. Plötzlich musste ich mich mit SSL-Verschlüsselung und so was befassen.

Ist Mainz der richtige Standort für Baendel oder denkst du, dass du es in Berlin leichter hättest?

Ich finde Mainz als Standort super! Viele Studenten, die Leute sind offen für neue Dinge – gerade hier in der Neustadt, ich hab das Gefühl, Mainz ist sehr empfänglich für so was. Und da ich ja viel versende, ist der Standort hier gar nicht wichtig. In Berlin ist außerdem viel mehr Konkurrenz!

Kannst du dir vorstellen, mit Baendel auch einen Store oder Pop-up-Store zu eröffnen?

Klar, wenn mir jemand die Location stellt!

Wie viele Ketten verkaufst du in der Woche?

Etwa eine am Tag, manchmal zwei, es gibt auch Tage, da kommt gar nix rein.

Was ist, wenn morgen eine Großbestellung von 3.000 Stück reinkommt?

Dann würde es auf jeden Fall ein bisschen länger dauern – da würde ich dann alle Freunde rekrutieren!

Wie viele Stunden in der Woche investierst du in dein Business?

Also wenn ich nach neuen Materialien schaue, sind schnell ein paar Stunden weg, das mach ich oft auch nachts und am Wochenende. So zwanzig Stunden in der Woche sind das schon.

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Baendel machst du, wie gesagt, neben deinem Studium. Kannst du dir vorstellen, nach dem Studium irgendwo fest angestellt zu arbeiten oder willst du auch nach dem Master dein eigener Chef sein?

Ich denke, das mit das Selbstständigsein liegt und ich habe noch nicht viele Stellen gesehen, bei denen ich mein ganzes Potenzial reinstecken könnte. Bei Baendel kann ich kreativ sein, mache die Fotos, baue die Seite selbst zusammen, organisiere, bearbeite die Bestellungen, entwickle neue Produkte, mache Social Media. Also, ich kann mir gut vorstellen, selbstständig zu sein. Im Moment habe ich über Baendel hinaus keine Idee, was ich da noch machen könnte. Ich könnte mir also auch vorstellen, erst mal zu arbeiten und dann nebenher noch was eigenes zu haben.

Was denkst du – kann man mit einem Angestelltengehalt überhaupt ein richtig gutes Leben führen?

Da habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht. Aus Geldgründen würde ich wohl nicht einfach nebenher noch was machen, eher zur Selbstverwirklichung.

Was kommt als nächstes bei dir?

Die Brillenbänder sind doch eher was Saisonales, für den Sommer. Da habe ich mir gedacht, es wäre ganz gut, wenn ich noch was anderes hätte und plane daher, auch noch Handy-Baendel zu machen – da hab ich auch schon einen Prototypen. Ist ganz praktisch, wenn man keine Tasche dabei hat und bei Festivals. Und ich hab mir überlegt, Kamera-Baendel zu machen – für eine Spiegelreflex.

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Was würdest du anderen raten, die vom Gründen träumen?

Sich reinhängen und probieren! Vor allem, wenn’s mit wenig Risiko zu machen ist, wie bei mir. Wenn man eine gute Idee hat und nicht alles abdecken kann, Leute mit ins Boot nehmen. Ansonsten: probieren, es ist kein Hexenwerk, das kann jeder machen!

Liebe Lia, vielen Dank für das Interview – und weiterhin viel Erfolg!

 

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