Durch Zwangsversteigerung günstig an ein Haus oder eine Wohnung kommen – ein Erfahrungsbericht

Ob Mieten oder Kaufen – wer nicht gerade auf dem ganz platten Land lebt, darf sich mit den hohen Immobilienkosten herumschlagen, mittlerweile auch in den kleineren Städten. „Bei Zwangsversteigerungen können Sie günstig an eine Immobilie kommen!“ Dieser Satz aus einem Onlinemagazin machte mich sehr neugierig. Also – auf zum Amtsgericht! Ein Erfahrungsbericht:

 

Mittwochnachmittag, kurz nach 4. Ich überlege: Wann habe ich das letzte Mal ein Gerichtsgebäude von innen gesehen? Muss Jahre her sein, damals, als ich unfreiwillig Zeuge bei einem Verkehrsunfall war und aussagen musste. Heute bin ich freiwillig hier, um den hohen Immobilienpreisen in Mainz zu trotzen. Oder es zumindest zu versuchen. Den Termin für die Zwangsversteigerung herauszufinden, war nicht leicht – es gibt unzählige Seiten, die suggerieren, Auskunft zu geben – und stellen sich später als kostenpflichtig heraus. Diese Seite hat mir kostenlos und seriös die Termine für die Zwangsversteigerung geliefert.

 

„Guten Tag, ich komme zur Zwangsversteigerung!“ „Saal 16, da lang“, raunzt mir die Pförtnerin entgegen. Ich gehe den langen Flur entlang. Es riecht nach alten Akten, nach Linoleum, nach Behörde. Vor besagtem Verhandlungsraum stapeln sich gut 60 Menschen. Ein Anzugträger war dabei, ansonsten hätte ich beim Blick auf die Schar auf irgendein linksalternatives Konzert getippt. Die Voraussetzungen, dass man zum Termin kommen kann, sind sehr gering: volljährig und Personalausweis oder Reisepass, nicht einmal anmelden muss man sich vorher.

 

Um kurz vor halb 5 wird der Saal geöffnet. Es folgt eine kurze Erläuterung zur Immobilie: Verkehrswert, Baulasten, Auflagen, Beschränkungen, Versteigerungsbedingungen, außerdem werden die Gläubiger registriert. Die kleine Wohnung, um die es hier geht, wurde vererbt und es gab Streit in der Familie, nun kommt sie unter den Hammer. Bei den Erläuterungen sollte man schon zuhören, mehr Infos gibt’s nicht. Es ist tatsächlich nicht möglich, die Immobilie vorher zu besichtigen. Wenn du Glück hast, liegt eine Mappe mit Bildern und Grundriss aus.

 

Es geht los, Mindestgebot 28.000 EUR. Der Verkehrswert wurde zuvor auf 60.000 EUR festgelegt. Die erste Hand geht hoch – Gebote müssen öffentlich gemacht werden. „50.000 EUR!“ Ein Raunen geht durch den holzvertäfelten Saal. Jeder Bieter muss mit seinem Personalausweis nach vorne, dann werden die Daten aufgenommen. Bei manchen Terminen muss eine Sicherheitsleistung von zehn Prozent vom Verkehrswert hinterlegt werden, beispielsweise durch einen Scheck. Es läuft übrigens nicht ab wie bei der Kofferversteigerung (zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten – verkauft), sondern es ist mindestens eine halbe Stunde lang Zeit, um Gebote abzugeben.

 

Die halbe Stunde zieht sich ganz schön – mal legt jemand 1.000 EUR drauf, mal 1.500 EUR. Als die 100.000-EUR-Grenze geknackt war, ging es in 1-EUR-Schritten nach oben. Das Battle sorgte für eine heitere Stimmung im Saal. Nach Ablauf der 30 Minuten gibt es keine Gebote mehr. Zuschlag für den Meistbietenden. Für knapp 105.000 EUR geht die Wohnung an jemanden aus der Gläubigerfamilie. Nach allem, was über die Wohnung bekannt ist, für Mainz ein Schnäppchen. Übrigens fallen hier keine Notar- und natürlich auch keine Maklerkosten an, nur 1 % Versteigerungsgebühr und eben die Kosten für Grundbuch und Grunderwerbsteuer. Das Gericht berechnet außerdem 4 % Zinsen für die Zeit zwischen der Ersteigerung und der Übergabe.

 

Mein Fazit: Wenn es die Chance auf günstige Immobilien gibt, dann bei einer Zwangsversteigerung. Wichtig ist, sich ein Preislimit zu setzen und genau wie bei eBay damals im Rausch nicht drüber zu gehen. Die einzige Gefahr liegt dann noch in der Wohnung oder im Haus selbst – dass man sich die Immobilie eben ganz anders vorgestellt hat.

 

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